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Interview mit Matthias
Lammert
Rheinzeitung (RZ): Die CDU im Rhein-Lahn-Kreis hat
durch den Tod Rudi Geils eine zentrale Figur mit großer
Strahlkraft verloren. Jetzt droht durch die mögliche
Landratskandidatur Josef Osters im Kreis Cochem-Zell der
Verlust eines weiteren Zugpferds. Wie will die CDU
diesen personellen Aderlass kompensieren?
Matthias Lammert (ML): Der Tod
von Rudi Geil war sicher nicht nur für die CDU ein
großer Verlust, sondern auch für die politische Kultur
im Rhein-Lahn-Kreis insgesamt.
Auch wenn wir durch den – noch nicht feststehenden –
Weggang von Josef Oster einen weiteren guten Mitstreiter
verlieren würden, so verfügt die Union im
Rhein-Lahn-Kreis durch den Gewinn von zusätzlichen
Mandaten, Stadt- und Ortsbürgermeistern und (5!)
hauptamtlichen Bürgermeistern in den vergangenen Jahren
durchaus über zahlreiche profilierte Persönlichkeiten.
Einen personellen Aderlass kann ich daher nicht
bestätigen.
RZ: Die SPD scheint im Land fest etabliert, und im
Rhein-Lahn-Kreis sehen Sie sich als
CDU-Landtagsabgeordneter mit einem Minister, einem
Staatssekretär und zwei Landtagsabgeordneten mit
SPD-Parteibuch konfrontiert. Wie wollen Sie gegen diese
offensichtliche Übermacht bestehen?
ML: Die CDU befindet sich nicht
in einem Krieg mit der SPD, sondern in einem politischen
Wettbewerb.
Da liegt das Gewicht nicht auf der Anzahl der
Konkurrenten oder der Anzahl der absolvierten
Frühschoppen, sondern auf der Qualität der Argumente und
der Glaubwürdigkeit bzw. Überzeugungskraft dessen, der
sie vorträgt. Hier erfahre ich viel Bestätigung.
Daher sehe ich keinen Grund mich von der Menge der
Konkurrenten verunsichern zu lassen, sondern werde meine
Arbeit für die Bürgerinnen und Bürger in bewährter
Manier fortsetzen.
RZ: Die CDU kommt in den Meinungsumfragen in Bund
und Land im Moment nicht besonders gut weg. Angesichts
der Tatsache, dass Kommunal- und Bundestagswahl 2009
parallel anstehen, könnte es auch vor dem Hintergrund
möglicher weiterer schmerzhafter Reformen schwer werden,
diesem Negativ-Trend – sofern er bis dahin anhält – auf
kommunaler Ebene zu begegnen, wo die CDU im
Rhein-Lahn-Kreis zuletzt eine Reihe beachtlicher Erfolge
errungen hat. Wie wollen Sie mit diesem Problem umgehen?
ML: Zunächst sind
Meinungsumfragen immer Momentaufnahmen. Dennoch wird
sich die CDU Rhein-Lahn nicht darauf verlassen, dass
sich der politische Wind schon noch drehen wird, sondern
wird sich im Rahmen einer Klausurtagung von
Kreisvorstand und Kreistagsfraktion noch in diesem Jahr
mit diesen Themen befassen.
Im übrigen sind die Entscheidungen, die auf Bundesebene
fallen, notwendigerweise Kompromisse; sie können daher
nicht CDU-Politik pur darstellen. Dazu bewegen sich die
Entscheidungen auf kommunaler Ebene in einem von höheren
Entscheidungsebenen vorgegebenen Rahmen. Bisher haben
die Bürgerinnen und Bürger immer sehr gut zwischen
diesen Ebenen unterscheiden können, daher zweifle ich
nicht daran, dass es auch künftig so sein wird. Unsere
Bürgermeister und Mandatsträger leisten hervorragende
Arbeit und wir werden die beachtlichen Erfolge der
letzte Kommunalwahl wieder bestätigen.
RZ: Eine Große Koalition gibt es in Berlin, nicht
aber im Rhein-Lahn-Kreis. In der Kreispolitik hat es
zuletzt dennoch scheinbar keine großen Aufreger-Themen
und keine Politik-Felder gegeben, auf denen sich die CDU
mit dem (immerhin den Landrat stellenden) politischen
Gegner ernsthaft gerieben hätte. Woran liegt das?
ML: Der eben angesprochene
vorgegebene politische Rahmen, lässt es nicht zu, um
jeden Preis etwas anderes zu wollen als der politische
Konkurrent. Hier kann und darf es nur um die für den
Bürger zweckmäßigste Lösung gehen. Persönliche
Eitelkeiten und Profilierungssucht sind hier völlig fehl
am Platz. Die CDU im Kreis arbeitet hier sehr
sachorientiert und ohne Scheuklappen. Ein
Konfrontationskurs ist nur dann sinnvoll, wenn andere
Ansätze zu einem nach unserer Ansicht besseren Ergebnis
für die Bürger führen.
RZ: 2007 werden sie bereits zehn Jahre das Amt des
Kreisvorsitzenden innehaben. Wie fällt Ihre persönliche
Bilanz dieser bewegten Zeit aus?
ML: Sie haben selbst von
beachtlichen Erfolgen der CDU im Rhein-Lahn-Kreis
gesprochen. Diese Erfolge, die wir alle gemeinsam
erarbeitet haben, stimmen uns für die Zukunft durchaus
zuversichtlich.
Ich persönlich habe seit meinem Amtsantritt eine Menge
Erfahrungen gewonnen, bin vielen unterschiedlichen
Menschen begegnet und habe in zahlreichen Diskussionen
sowohl innerhalb der Partei als auch mit den Bürgern
viel über die Standpunkte und Probleme der Menschen hier
erfahren. Es gab – wie im richtigen Leben – neben den
erfreulichen Erfolgen auch schwierige Zeiten, die eine
gewisse Standhaftigkeit erforderten. Die Mitglieder der
CDU haben mir in allen Lagen ihr Vertrauen geschenkt,
wofür ich mich hier ausdrücklich bedanken möchte.
Mit diesen Erfahrungen und der Geschlossenheit meines
Kreisverbandes im Rücken bin ich auch weiterhin stark
motiviert, für die Bürger eine offene, ehrliche
christdemokratische Politik zu gestalten.
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